Geschichte

Blechtanzmusik

Tanzmusik für die Besetzung Klarinette, Trompete, Flügelhorn, Tenorhorn und Tuba hatte zum Ende des 19. Jahrhunderts einige Popularität in Teilen der Ostschweiz. Aus Schänis sind handschriftliche Noten, Schallplattenaufnahmen und diverse Bilder überliefert. Im Glarner- und im Sarganserland ist die Verbreitung dieser Besetzungsform durch zahlreiche Bilder aus dieser Zeit sowie die Nennung in Chroniken von Gemeinden und Blasmusikvereinen dokumentiert. Zudem hatte die Schweizer Sammlerin von Volksmusik, Hanny Christen, die Region besucht und von den Schänner und Flumser Formationen Noten zur Abschrift für ihre Sammlung erhalten. Die Sammlung von Hanny Christen gilt heute als Referenz für das Musikschaffen in der Schweiz zwischen 1800 und 1940. Die Blechtanzmusik ist in der Schweiz weitgehend in Vergessenheit geraten. Die aktuelle Blaskapellenbewegung, die aus solchen Kleinbesetzungen hervorgegangen sein dürfte, widmet sich fast ausschliesslich dem Böhmisch-Mährischen Musikstil. Die Blasmusikvereine, in der Schweiz überwiegend von der Militärmusik geprägt, spielen mehrheitlich sinfonische Blasmusik und/oder Unterhaltungsmusik nach amerikanischem Vorbild.

 

Instrumente

Die Besetzung mit Klarinette mag der Bezeichnung Blechmusik wohl nicht gerecht zu werden, entspricht aber der originalen Praxis. Dazu wurden Trompete und Bügel als weitere Melodieinstrumente gesetzt. Wobei alle drei Instrumente abwechslungsweise Melodie, zweite Stimme oder auch rhythmische Begleitung spielen. Als weitere Rhythmus- und Begleitinstrumente wurden ein Althorn in B und ein Bombardon oder Bass in Es hinzugezogen. Bügel als Bezeichnung für das Flügelhorn ist heute im deutschen Sprachraum nicht mehr gebräuchlich. Ebenfalls nicht mehr gebräuchlich ist Bombardon sowohl als Instrumententyp wie auch als Bezeichnung. Das entsprechende moderne Instrument ist die Tuba. Auch das Althorn in B ist uns heute nicht mehr geläufig. Das entsprechende moderne Instrument ist ein schlankes Tenor- oder Baritonhorn in B. Allerdings klangen diese alten Instrumente erheblich anders als die heute üblichen Instrumente. Die deutlich schlankeren Mensuren vom damaligen Bügel, Althorn und Bombardon ergeben ein helles, obertonreiches und transparentes Klangbild. So dürfte es auch die Klarinette leichter gehabt haben, sich durchzusetzen.